...Schuld waren ja eigentlich seine Eltern, weil sie früher desöfteren nach Amsterdam fuhren, um dort über den Flohmarkt zu schlendern (jaja!). Dort nahm der junge noch-nicht-DEMON erstmals bewusst farbige Schriftzüge wahr - Graffiti!
Waren die Wände seiner Heimatstadt Essen seinerzeit noch Ruhrpott-Grau, schimmerten die Wände der europäischen Graffiti-Metropole in allen Farben. Derart beeindruckt, fing er an, sich in der hohen Kunst des Graffiti zu üben, erst auf Papier, dann mit Filzstiften auf den weissen Toilettenwänden des Schulklos, und wenig später...
Schnell erkannte v.a. seine Mutter A) Das Risiko einer Kleinkriminellen-Karriere; und B) das kreative Potential des jungen Künstlers. Auch die Leiter des damals bevorzugten Jugendhauses Hüweg (Essen-Steele) sahen dies ebenfalls und so gab es schnell Möglichkeiten, nachmittags nach den Hausaufgaben, und nicht in rabenschwarzen Nächten, an den Skills zu feilen. Dabei stellte unser junger Held fest, dass die sogenannten “Characters” also Figuren, die den Schriftzügen als Deko zur Seite gestellt wurden, grossen Anklang fanden; und dass nachmittags die besseren Bilder entstanden. Und durch eine Verkettung glücklicher Umstände standen ihm und seinen Freunden fortan immer reichlich “Übungsflächen” zur freien Verfügung. So lässt sich seine Aussage verstehen, dass er seit nunmehr 20 Jahren Graffiti malt, ohne dabei je nennenswerten Stress mit den dunklen Mächten der Executive gehabt zu haben.
Trotzdem behagt ihm die rigorose Trennung von "legalem" und "illegalem" Graffiti so gar nicht! Er sieht Graffiti einfach nur als Graffiti, egal wann und wo es gemalt wird, wichtiger ist ihm, dass die Werke gut aussehen (was auch immer das sein mag).
Da seine Werke meist den ästhetischen Ansprüchen auch szenefremder Menschen genügten (immer wieder genügen!), fanden sich bald die ersten Auftraggeber, mit deren Gelder mindestens die Graffiti-Leidenschaft bezahlbar wurde - auch Dosen kosten Geld!
Selbstverständlich übernimmt Demon auch heute noch gerne Auftragsarbeiten, wobei sich die Preise am Aufwand orientieren. Dabei lässt sich jedoch grob feststellen, dass eine Auftragsarbeit mit fester Motiv-Vorgabe, die von kaum einem anderen Menschen gesehen werden kann, sprich keine Werbung für DEMON macht, in der Regel teurer ist, als die gegenteilige Alternative, alles klar?
Würde man DEMON jedoch ausschliesslich auf seine Graffiti-Kunst reduzieren, täte man ihm jedoch arg Unrecht.
Dieser (noch) junge Künstler ist (gesellschafts-)politisch interessiert und engagiert und hat so seine eigene Vorstellung von der Organisation menschlichen Zusammenlebens, egal auf welcher Ebene.
Die Diskrepanz zwischen medialvermittelter und selbsterlebter Realität einerseits und seinen eigenen Vorstellungen eines sozialen Ordnungsgefüges andererseits, veranlassen DEMON allerdings nicht zur Resignation, sondern vielmehr scheint sich das bewusste Wahrnehmen eben jener Diskrepanz in einer Art Katharischen-Kreatvität zu entladen. Oder einfacher: Manchmal kotzt er seine Wut und Entäuschung auf die (Lein-)Wand!
Häufiger spiegelt sich in seinen Werken aber die Auseinandersetzung mit der Welt wieder, was nicht erstaunt, wenn man die Annahme teilt, dass kulturelle Bildung (als Vorbedingung für künstlerische Tätigkeiten) die wechselseitige Erschliessung von Mensch und Welt beinhaltet (frei nach Prof. Dr. M. Fuchs). Diese Widerspiegelung kann freilich auch nur ein Denkanstoss, bzw. Aufruf in Form eines "politischen" Statements neben seinen Schriftzügen sein. Jedenfalls widerstrebt es DEMON, Kunst nur um der Kunst willen, bar jeder Aussage zu schaffen.
Bleibt zum Ende dieser kleinen Vorstellung die Frage nach der schöpferischen Zukunft von DEMON, wobei es hier nicht um ein "ob", sondern lediglich um das "wie" gehen dürfte. Wird er sich auch in 10 Jahren noch "Graffiti-Künstler" nennen lassen? (Gerade die Gralshüter der "reinen Lehre" nehmen ihn so kaum noch wahr...) Oder wird er zukünftig Flugzeuge designen (hat er noch nicht bemalt!)? Oder aber resigniert er doch ein Stück weit und zieht auf eine Südsee-Insel, um dort aus Muscheln einen Skulpturen-Park aufzubauen? Fragen über Fragen, lassen wir uns überraschen...!
Danke für ihr Interesse, ADER 72 Essen, peace!